Die Kirmes besitzt in Diedorf einen sehr hohen Stellenwert unter den Traditionsfesten. Sie wird jährlich am letzten Septemberwochenende gefeiert und genießt stets einen großen Zulauf von Besuchern.
Verantwortlich für die Gestaltung und Durchführung der Kirmes sind die Platzmeister. Für einen Diedorfer Jung ist es stets eine Ehre dieses Amt zu tragen. So fanden sich bisher immer ambitionierte junge Burschen, welche das Kirchweihfest organisieren wollten. Der Platzmeisterstab umfasst insgesamt vier Kirmesburschen und setzt sich aus je zwei Alt- und Neuplatzmeistern sowie den zugehörigen Platzmeisterfrauen zusammen.


Die Ursprünge der Diedorfer Kirmes liegen weit zurück. Leider gibt es keine Dokumentationen, aus denen man den Zeitpunkt der ersten Kirmes ausfindig machen kann. Engagierte Rentner aus unserem Dorf konnten jedoch alle Platzmeister bis zum Jahr 1950 recherchieren.


Kirmesdonnerstag
Das offizielle Kirmesprogramm findet von Freitag bis Montag am jeweils letzten Septemberwochenende statt. Der inoffizielle Startschuss wird allerdings schon am Donnerstag, mit dem „Kränzewickeln“ gegeben. Mit etwas Tannengrün und Strick fertigen die Burschen die Dekoration für das Dorfzentrum, den Anger, an. Nach getaner Arbeit geht es dann zum gemütlichen Teil über…

 


Kirmesfreitag
Am Freitag Abend wird in offizieller Runde das erste Bier getrunken. Das alljährliche Antrinken findet seit einigen Jahren in der Gaststätte „zur Krone“ (Erdmann) statt. An diesem Abend stimmen sich die Burschen gesellig auf die bevorstehenden Feiertage ein. Zudem beginnt für die Kirmesneulinge, die sogenannten Gallinger, der erste Teil ihrer Aufnahmeprozedur. Die „Gallinger“ müssen dabei zeigen, dass sie traditionelles Liedgut wiedergeben und kräuterhaltige Getränke aufnehmen können.

Nachdem sich alle Neulinge beweisen konnten, geht es zusammen mit der Blasmusik in das dorfeigene Bürgerhaus. Dort wartet schon die Jugend der umliegenden Dörfern, um mit den Diedorfer Burschen zum Discobeat zu feiern.


Kirmessamstag
Nach einer zumeist kurzen Nacht trifft sich die Kirmesgemeinde am Samstag Morgen auf dem Anger um diesen für die bevorstehenden Feiertage herzurichten. Die Mitte des dorfzentralen Portals wird mit Sägespänen bedeckt und Tannenbäumen verziert. Dazu begeben sich einige speziell dafür geschulte Kirmesburschen in den Wald. Nach mehreren Stunden harter Arbeit kehren sie meist mit schmutzigen Klamotten und schweren Augenliedern zurück. Ein weiterer Teil der Burschen wandert in den Gemeindesaal ab und trifft dort die Vorbereitungen für die abendliche Tanzveranstaltung.
Nachdem alle Schauplätze hergerichtet worden sind, zieht die Kirmesgesellschaft gemeinsam auf den Sportplatz. Traditionell finden an diesem Tag die Spiele der beiden Dorfmannschaften statt. Wie es sich gehört werden beide Teams von den Burschen lautstark unterstützt.
Nach den beiden Partien geht es kurz nach Hause unter die Dusche. Schnell noch die Kleidung gewechselt und etwas Deo unter die Arme – schon geht es wieder zum nächsten Programmpunkt – dem Fackelumzug. Zu diesem versammeln sich neben den Burschen und zugehörigen Kirmesmädchen zudem die kleineren Dorfbewohner mit ihren Laternen. Gemeinsam zieht der Tross dann durch die Diedorfer Straßen und läd mit zünftiger Blasmusik zum Kirmestanz ein.
Nach der Dorfrunde eröffnen die Platzmeister die Kirmes nun für das gesamte Dorf auf dem Diedorfer Anger. Dazu wird ein großes Feuerwerk von der ortsansässigen Feuerwehr veranstaltet. Als Höhepunkt des Abends ziehen die Burschen und Mädchen in das Bürgerhaus ein und feiern den ersten Kirmestanzabend.


Kirmessonntag
Der Sonntag beginnt mit einem Festgottesdienst, an dem die gesamte Kirmesgemeinde teilnimmt. Danach geht es zur ersten Ständchenrunde durch das Dorf. Als Dank für die Spenden der ansässigen Firmen werden diese mit einem Ständchen geehrt. Die Teufelsklanfe (rechts im Bild) und Mehlers Jupp seine Kesselbecken (Links im Bild) zählen seit Jahren zum musikalischen Equipment.
Das Ständchenbringen endet zur Mittagszeit. Dann wird sich erstmal gestärkt, bevor es wieder zum Auftanzen auf den Anger geht. Am Nachmittag findet ein Platzkonzert im Bürgerhaus statt. Vor dem Saal stehen Karusslls und andere Attraktionen für Groß und Klein bereit. Der Höhepunkt für alle Kinder ist das Auflaufen der „Butzemänner“. Die bunt verkleidet und angemalten Kirmesburschen haben die Aufgaben die Kinder im Dorf mit Schuhcreme zu bemalen. Zur Steigerung des Respekts werden die bunten Männer mit Peitschen ausgestattet. Am Sonntagabend findet wieder ein Kirmestanz im Bürgerhaus statt.


Butzemänner 2004

Kirmesmontag

Der Kirmesmontag beginnt ähnlich wie der zuvorige Tag mit einem Gottesdienst. Dieser wird in Gedenken an die Verstorbenen ausgerichtet. Da die Burschen am Montag ein straffes Programm erwartet, findet der Gedenkgottesdienst bereit um 7.30 Uhr statt. Danach werden die ausstehenden Honoratioren mit einem Ständchen geehrt. Um 14 Uhr rückt der Anger wieder in den Mittelpunkt des Geschehens. Um in den Bund der Kirmesgesellschafft aufgenommen zu werden, müssen die Gallinger rasiert werden. Nach der Rasur und einem kräftigen „JUHU“ haben die Kirmesneulinge dann ihre offizielle Aufnahmeprozedur gemeistert.

Als nächstes wird die Kirmeszeitung vorgelesen. Neben den Dorfgeschichten, bei denen die peinlichen Aktionen einiger Dorfbewohner in Rampenlicht gestellt werden, erhält jedes Kirmespaar einen individuell angefertigten Spruch. Da den Kirmesmädchen nach vorgelenenem Spruch stets ein kleiner Büschel Haare abgeschnitten wird, bezeichnet man diesen Programmpunkt als „Schnipstour“.
Zum Abschluss des Tages versammelt sich die Kirmesgesellschaft mit allen Feierwilligen im Bürgerhaus zum letzten Kirmestanz.


Kirmesdienstag
Der Kirmesdienstag beginnt zunächst mit dem Aufräumen aller Haupt- und Nebenschauplätze im Ort. Daraufhin erfolgt das gemeinsame Mittagessen der Kirmesburschen. Nach der Mahlzeit wird mit dem „Eierklauen“ eine uralte Tradition gepflegt. Da die Kirmesburschen der damaligen Zeit am Dienstag ihr ganzen Geld verbraucht hatten, zogen sie durch das Dorf, um in den Hühnerställen nach Eiern zu suchen. Diese Tradition wird noch Heute in ähnlicher Weise umgesetzt.
Ergaunerte Beute beim Eierklauen 2005Den Abschluss der Kirmes bildet das „Hammelessen“. Dieses findet am Dienstagabend statt. Neben Hammel und Klößen werden dort die am Nachmittag ergaunerten Eier verzehrt. Um Mitternacht wird die Kirmes schließlich beerdigt. Dazu verkleidet sich ein Gallinger als „Schnapsleiche“. Nach der Trauerzeremonie werden die neuen Platzmeister gewählt. Diese laden daraufhin zum Kaffeetrinken ein. Wie man sich denken kann, bleibt es nicht nur beim Kaffee…

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